Schäden an Prozesswasseranlagen

Unter Prozesswasser werden hier alle Anwendungen verstanden, bei denen andere Ziele als die Versorgung mit Trinkwasser und Wärme verfolgt werden. Dazu gehören neben Kühl- und Löschwassersystemen, Klima- oder Raumluftanlagen auch industrielle Fertigungsprozesse.

Zum Betrieb solcher Anlagen werden unterschiedlichste Wasserqualitäten genutzt, die vom offenen Löschteich bis hin zu Reinstwasser und Prozesswasser mit unterschiedlichsten Inhibitoren reichen. Zudem ist zu unterscheiden, ob Systeme geschlossen oder offen betrieben werden. Im zweiten Fall können Anreicherungen des Wassers nicht nur durch die jeweiligen Werkstoffe verursacht sein, sondern auch aus der Luft eingetragen werden.

Durch Korrosion oder Inkrustationen können insbesondere Betriebsabläufe der industriellen Fertigung empfindlich gestört werden. Dann sind schnelle Ergebnisse nötig, und die Analyse hat aus einer sehr breiten Palette möglicher Messparametern möglichst sofort die richtigen zu wählen. Hierfür sollten zunächst die bekannten Werkstoffe der Anlagentechnik bestimmt werden.

Zudem ist anhand des vorliegenden Schadensbildes abzuschätzen, ob die Probleme möglicherweise durch materialaggressive Biofilme („MIC“) (mit-)verursacht sind, was in der Prozesswassertechnik häufiger als in anderen Anlagen der Fall ist. Wie bei Trinkwassernetzen sind auch hier punktuelle Angriffe, auffallend schnelle und heftige Schadensverläufe, Schäden unter Sauerstoffausschluss und Schäden an "korrosionsbeständigen" Materialien wie V4A Edelstahl, Kunststoffen und Dichtmitteln Indizien für MIC als Schadensursache.

Treten bei industriellen Anlagen und hochtechnisierten Gebäuden Korrosionen an Stahl auf, so ist ein besonderes Augenmerk auf möglicherweise überhöhte Potentialflüsse zu richten. Besonders wichtig ist dies, wenn mehrere Gebäude, mit jeweils eigener Erdung, durch leitende Wassernetze verbunden sind und sich mögliche Potentialunterschiede im Erdreich ausgleichen. In solchen Fällen können häufig bereits Verbesserungen an den Potentialausgleichen oder der Einbau nichtleitender Strecken den Schadensverlauf deutlich reduzieren.

Rund 70 Prozent des industriellen Wasserbedarfs werden zur Abfuhr von Wärme eingesetzt. Offenen Systeme bergen nicht nur die Gefahr, dass sich das Wasser mit Schadstoffen anreichert, sondern auch, dass es solche abgibt. Bekanntestes Beispiel ist die Kontamination der Umgebungsluft durch offene Kühlwassersysteme, die in der Vergangenheit bereits zu tödlichen Legionellose-Erkrankungen führten.

Obwohl bei Prozesswasseranlagen zumeist mehr Wert auf die Klärung von Schadensursachen gelegt wird, als vergleichbar etwa in Wohnimmobilien, werden auch hier nicht immer die geeigneten Maßnahmen ergriffen. Bei der Beurteilung etwa, ob Inhibitoren mit allen Werkstoffen verträglich und für die Schadensbehebung wirklich zweckmäßig sind, verlässt man sich zumeist auf den Außendienst eines Produktanbieters.

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